Ein Leben im Rollstuhl

Menschen, die mit einer körperlichen Behinderung auf die Welt kommen, haben es schwerer, ihr Leben zu organisieren, als gesunde Menschen. Insoweit wird dieser Aussage nichts hinzuzufügen sein, außer vielleicht, dass sie das Leben gar nicht anders kennen gelernt haben, und dementsprechend zwar vielleicht manchmal neidisch sind, aber trotzdem anders damit umgehen. Schlimmer ist es, wenn ein Mensch durch einen Unfall oder eine Krankheit plötzlich an den Rollstuhl gefesselt ist. Dann muss er einige Veränderungen und Umstellungen meistern, und zusehen, wie er klar kommt. Seelische Tiefs sind die Folge und sehr großer Frust. Hier ist das Umfeld gefragt, diesen Menschen neuen Lebensmut zu geben und sie soweit dies möglich ist, neu zu motivieren.

Für einen Rollstuhlfahrer, der seine Lebensumstände akzeptiert ist vieles anders, jedoch kann er mehr bewältigen, als man ihm vielleicht auf den ersten Blick zutraut. In der Einrichtung der Wohnung muss man allerdings etwas auf den Rollstuhl eingehen. In der Küche muss die Höhe der Arbeitsflächen angepasst werden. Auch Hochschränke dürfen nicht unerreichbar sein; eventuell muss man auf diese verzichten. Die Türen müssen breit genug sein, und auch die sanitären Anlagen sollten Zusatzgriffe aufweisen sowie an den behinderten Benutzer angepasst sein. Geht ein Rollstuhlfahrer auf Reisen, kann er nicht einfach spontan verreisen. Zwar sind Flugunternehmen und auch die Bahn auf die Rollstuhlfahrer vorbereitet; nicht jedes Hotel ist jedoch geeignet, um dort Urlaub machen zu können.

Im Zusammenleben mit einem Partner können sich Schwierigkeiten ergeben, wenn der Behinderte sehr selbständig ist, der Partner ihn jedoch über die Maßen versorgen möchte. Es ist also ratsam, zu warten, wie ein Mensch sich mit seiner Situation abfindet, und die Hilfe zwar anzubieten, aber nicht aufzudrängen. Gerade, wenn die Beziehung schon vor einer Behinderung nach einem Unfall bestand, muss der Partner viel Verständnis aufbringen. Es kann auch sein, dass nach einer Querschnittslähmung beim Mann keine sexuellen Gefühle mehr möglich sind; dies ist die größte Belastung für eine Partnerschaft, vor allem, wenn ein Kinderwunsch bestand. Auch wenn die Partnerin mit dieser unfallbedingten Impotenz umgehen kann, wird der Gelähmte sich vielleicht minderwertig fühlen. Die Hilfe von Psychologen ist hier unumgänglich, wenn man nicht riskieren will, dass die Partnerschaft an diesem Problem zerbricht.

Auch wenn Menschen vor einer Querschnittslähmung sehr sportlich waren, und nun zum Sitzen in einem Rollstuhl verdonnert sind, kann dies Krisen auslösen. Bis ein Rollstuhlfahrer sich überzeugen lässt, mit seinem fahrbaren Untersatz Sport zu treiben, wird einige Arbeit nötig sein. Diplomatie und Verständnis muss hier in Mengen vorhanden sein, aber auch Überzeugungskraft und die Gabe zur Motivation.